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Blogger-Interview + Rezept aus der ‚indischen keuken‘ der Niederlande

Barbara lebt als Deutsche in den Niederlanden und bloggt auf eintopfheimat.com über die neuesten Trends in Sachen Food und ihre persönlichen Rezeptkreationen. Im blogg.de-Interview verrät sie, worauf Foodies sich diesen Sommer freuen dürfen, was die niederländische Küche so besonders macht und welche deutschen Lebensmittel sie vermisst.

blogg.de: „Welche Food-Trends erwarten uns im Sommer 2015?“

Barbara: „Ich spreche für die Niederlande, weil ich ja hier lebe. Der größte Trend, den

ich seit einiger Zeit beobachte, ist der zum entspannten Essen auf einem

nachhaltigen, ehrlichen Niveau ohne viel ‚Schischi‘. ‚Bistro‘ ist das Zauberwort der

Stunde. Holländische Sterneköche wie Sergio Herman und Ron Blaauw haben ihre

Gourmet-Tempel geschlossen und setzen auf eine modere Bistro-Küche mit Zutaten

von hoher Qualität. Es gab schon immer die sogenannten ‚Eet-Cafes‘, wo man

einfache Mahlzeiten aus der holländischen kulinarischen Dreifaltigkeit

Fleisch-Kartoffeln-Gemüse servierte. Diese Tradition wird mit lokalen Zutaten

nun leicht und frisch interpretiert. Das ist spannend. Und noch eine neue Entwicklung gibt es in den Niederlanden: in großen Städte wie Amsterdam und Rotterdam eröffnen Markthallen, in denen sowohl eingekauft als auch gegessen werden kann.

Auch ein Trend zu Bioprodukten, veganen und vegetarischen Lebensmitteln lässt sich

beobachten. Und die Niederlande entdeckt wieder die Vielfalt ihrer

eigenen regionalen Produkte: Miesmuscheln, Austern und Hummer aus der

Oosterschelde, Lammfleisch von der Insel Texel, Cranberries von Terschelling,

Spargel aus Limburg und, und, und … Holland schmeckt!“

 

blogg.de: „Gibt es Gerichte, die du aus Deiner Heimat vermisst?“

Barbara: „Naja, bei jedem Deutschen, der im Ausland lebt, stellt sich fast automatisch

die Brotfrage. Als gebürtige Fränkin bin ich mit wunderbarem, frischen Bauernbrot

aus dem Holzofen aufgewachsen. Das bekomme ich natürlich hier nicht. Aber wenn

ich zu Besuch in der alten Heimat bin, dann sorgt meine Mutter dafür, dass

frisches Brot im Haus ist. Und ich bin immer wieder erstaunt, welche Vielfalt es

gibt. Die vermisse ich manchmal schon, obwohl die Auswahl hier im Laufe der Jahre viel besser geworden ist. Ab und zu backe ich auch selbst Brot.“

 

blogg.de: „Welche Zutaten und Gerichte aus den Niederlanden kannst Du Dir aus Deinem Leben nicht mehr wegdenken?“

Barbara: „Ich bin ein großer Fan der ‚indischen keuken‘. Darunter versteht man in den Niederlanden nicht etwa Essen aus Indien, sondern die Fusion aus niederländischen und indonesischen Küchentraditionen. Der Ursprung der ‚indischen keuken‘ geht bis ins 17. Jahrhundert zurück, als die Vereenigde Oostindische Compagnie, ein Zusammenschluss verschiedener holländischer Handeslhäuser, den Gewürzhandel von Südostasien nach Europa dominierte. Während der Kolonialherrschaft in ‚Niederländisch-Ostindien‘, dem Gebiet des heutigen Indonesiens,  im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, entwickelte sich die ‚indische keuken‘ weiter. Ganz neue Gerichte entstanden wie Pastei toetoep, ein Auflauf mit Kartoffelbrei, Hühnerfleisch und exotischem Gemüse, oder Ajam kodok, eine Art gefülltes Brathuhn. Was den Menschen versagt war, gelang so zumindest im Kochtopf: eine gleichberechtigte und friedliche Koexistez. Leider ist diese Mischküche außerhalb der Niederlande nicht sehr bekannt. Es ist eine Hausfrauenküche, die aber unglaublich variantenreich daher kommt und die mir sehr viel Spaß macht. Ich experimentiere immer wieder mit der Mischung europäischer und indonesischer Aromen wie Kokosmilch, Zitronengras, Ingwer, Garnelenpaste und Sambal und kann nur jedem anraten, es auch mal zu versuchen. Deshalb habe ich auch ein Rezept ausgewählt, das ich nach den Regeln der ‚indischen keuken‘ zusammengestellt habe.“

blogg.de: „Warum bloggst Du? Schließlich könntest Du Deine Leckereien auch hinter verschlossener Küchentür genießen …“

Barbara: „Zum Bloggen bin ich zunächst gekommen, um mein Kochbuch ‚EIN TOPF HEIMAT – Rezepte mit Familiensinn und Fernweh‘ bekannter zu machen. Mittlerweile steht das aber nicht mehr im Vordergrund. Mein Foodblog ist für mich eine wunderbare Möglichkeit, Einblicke in neue kulinarische Welten zu bekommen. Ich schaue gern anderen in den Kochtopf, weil ich finde, dass man über das Essen sehr viel über eine Kultur erfährt. Deshalb gibt es auf meinem Blog nicht nur Rezepte, sondern auch Porträts von Menschen, die eine besondere ‚kochende‘ Leidenschaft haben. Auch Themen wie Nachhaltigkeit und Regionalität interessieren mich sehr, weil ich glaube, dass zum Genuss immer auch Verantwortung gehört. Diese Haltung möchte ich in meinem Blog auch vermitteln.“

Rezept: Portobello-Champignons mit Sambal und Koriander

ZUTATEN

4 Portobello-Champignons

4 Knoblauchzehen

1 Stück Ingwer, ca. 2 cm lang

3 EL Olivenöl

4 EL Zitronensaft

2 TL Sambal Olek

frische Korianderblätter

Pfeffer

1 TL Olivenöl zum Einfetten der Auflaufform

 

ZUBEREITUNG

  1. Den Ofen auf 180°C Ober/Unterhitze vorheizen.
  2. Die Portobello-Champignons mit einer Pilzbürste säubern und die Stile entfernen. Achtung: Pilze nicht waschen, sie saugen sonst zuviel Flüssigkeit auf und werden schlapp.
  3. Knoblauchzehen und Ingwer schälen und fein hacken.
  4. Gehackten Knoblauch und Ingwer in einen Mörser geben und mit dem Sambal Olek zu einer Paste verarbeiten.
  5. Paste in eine Schüssel geben, Zitronensaft und Öl hinzufügen und gut vermischen.
  6. Eine Auflaufform dünn mit Öl ausstreichen und die Pilze mit den Lamellen nach oben in die Form setzen.
  7. Die Würzpaste gleichmäßig auf die Oberfläche jedes Pilzes streichen.
  8. Im Ofen für ca. 25 Minuten schmoren.
  9. In der Zwischenzeit ein paar Stängel den frischen Koriander waschen, die Blätter abzupfen und grob hacken.
  10. Nach dem Ende der Garzeit die Pilze aus dem Ofen nehmen und mit dem frischen Koriander und Pfeffer bestreuen.

Die Champignons sofort genießen!

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